Sonntag, Juni 25, 2017
  • Italian (IT)
  • English (UK)
  • German (DE)
  • Spanish (ES)
  • French (FR)
   
Text Size

I recuperanti

Шаблоны Joomla здесь.

DIE LANCEDELLI, EINE SAMMLERFAMILIE

Die Passion einer Familie wird im Museum Geschichte

     Die Sammler beginnen ihre Tätigkeit im 1. Weltkrieg, der im Mai 1915 auch Cortina d’Ampezzo (damals Ampezzo) erreichte, ein ruhiges ladinisches Dorf unter Habsburger Verwaltung. Cortina lag damals an der Grenze zu Italien, das gleich nach der Kriegserklärung an Österreich seine Soldaten über die Grenze von Acquabona schickte, um das Dorf zu besetzen. Am 29. März 1915 rückten die Italiener ohne Schusswechsel in Cortina ein; sie trafen auf keinen Gegner: die österreichischen und Ampezzaner Soldaten hatten sich schon zur Verteidigung und Absperrung der Durchgangsrouten zurückgezogen.

     Das war der Anfang des „Großen Krieges“ in den Ampezzaner Dolomiten, die drei lange Jahre Schauplatz von grausamen Kämpfen wurden. Italienische und österreichische Soldaten wurden nicht nur gezwungen, gegeneinander zu kämpfen sondern ebenso gegen Hunger, Kälte und Schnee, die nicht minder Opfer forderten.

     Als 1918 der Krieg zu Ende ging, wussten Heimkehrer und ihre Familien kaum einen Ausweg aus dem Elend und mussten schleunigst versuchen, den schweren Folgen der italienischen Besatzung zu begegnen. Einige Einwohner besaßen nichts mehr, geschweige denn ein Haus: Ganze Siedlungen waren zerstört und die durchwühlten Felder und Äcker konnten nicht mehr bestellt werden. Was blieb ihnen: auswandern oder das liegengebliebene Kriegsmaterial einzusammeln und zu verwerten? Eine harte aber notwendige Alternative zum Überleben.

     Rolando Lancedelli war damals zehn Jahre alt und mittendrin. Im Jahr 1937 schickte ihn in ihrer Not seine Großmutter anstatt in die Schule mit seinen Onkeln zum Einsammeln von Restbeständen aus dem Krieg. Es war ein schweres Leben: in den Bergen herumzusteigen, mit zerlumpten Kleidern und Schuhen, die mit Draht zusammengehalten wurden, als Nahrung eine Scheibe Polenta, die den ganzen Tag reichen musste. Ausgerüstet mit Schaufel und Pickel sammelten die Onkeln und der Neffe alles ein, was sie den Eisenhändlern verkaufen konnten, die jeden Samstag nach Cortina kamen.

   Die Arbeit der Einsammler war hart und mühsam, aber versorgte wenigstens die Familie mit etwas Essbarem. Als ihre Regel galt: „Was du findest, gehört dir.“ Mit der Zeit lernte auch der kleine Rolando die Geheimnisse des Handwerks: wie man Metalle erkennt, wo man zu suchen beginnt, wie Munition zu entschärfen und verschiedene Materialien zu trennen sind. Man sammelte Bomben, Stacheldraht, Drahtrollen, Stahlseile, Öfen, Sprengstoff, Geschosse, Rohre, Waffen, Töpfe, Kupfer, Blei, Aluminium und Messing. Außerdem bezahlte der italienische Staat 25 Lire für jede gefundene Leiche im Kriegsgebiet. Rolando kann sich erinnern, dass viele „Einsammler“ sogar Friedhöfe plünderten, um etwas zu verdienen.

    Das Leben der Sammler war hart und gefahrvoll, besonders wenn sie Blindgänger fanden und sie zu entschärfen versuchten. Ein weiteres Risiko war die Bergwelt mit ihren Felsen und Abgründen. Ein einziger Schritt konnte ins Verderben führen. Eine von den vielen Erinnerungen Rolandos: Eines Tages fand er eine schwere Rolle Bleidraht, legte sie auf ein Stück Wellblech und zog es an einem Seil über einen Steig neben einem Abgrund. Um die Last besser zu verteilen, trat er zurück ohne zu bemerken, dass er mit einem Bein über dem Abgrund hing. Wie durch ein Wunder rettete er sich vor dem sicheren Tod, indem er sich am Seil festhielt. Eine weitere Gefahrenquelle bildete der typisch schnelle Wetterumschwung im Hochgebirge: Ein schweres Unwetter überraschte Rolando und seine Verwandten während einer Suchaktion. Geistesgegenwärtig retteten sie sich unter zwei Felsbrocken und ließen das gesammelte Material unter einem nahen Baum: Ein Blitz schlug ein und blendete sie, zum Glück ohne ihnen Schaden zuzufügen.

     Dieses schwierige Leben ging nach dem 8. September 1943 für Rolando zu Ende: die Provinzen Bozen, Trient und Belluno wurden von den Deutschen, gesondert vom restlichen Italien, mit eigener Verwaltung besetzt. Mit anderen Gleichaltrigen aus Cortina wurde er von den Deutschen einberufen mit der schlimmen Aussicht, an die russische Front geschickt zu werden: Das war viel schlimmer und gefährlicher als Kriegsmaterial und altes Eisen einzusammeln und zu verwerten. Nach seiner Heimkehr am Kriegsende 1945 zwangen ihn die schlechten Zeiten, ums Überleben zu kämpfen. Er musste verkaufen, was er an Material gesammelt hatte. Inzwischen waren aber die Hänge abgeräumt und was vorher aus Notwendigkeit geschah, änderte sich nun zur Suchaktion einzelner Sammler. Vergessen war das Suchen in Schützen- und Laufgräben am Frontverlauf. Er musste sich ein besseres Auskommen suchen, und zusammen mit seiner Frau Elena eröffnete er 1955 in Cortina eine Skibar, die er – Stein für Stein – selbst aufgebaut hatte. Um das Einkommen zu verbessern, arbeitete er als Skilehrer. Rolando war der erste Skilehrer für Langläufer in Cortina.

      Zum Glück der Eheleute trugen die zwei Kinder bei, Loris und Graziano. Zu diesem Zeitpunkt entschied sich Rolando, seine kleine Bar zu einem Restaurant mit einheimischen, traditionellen Gerichten zu erweitern. Während der Aushubarbeiten entdeckte Rolando eigenartige Steine, die seine Neugier weckten. Der 70jährige Rinaldo Zardini Foloin, ein ausgewiesener Experte für Fossilien, entdeckte, dass es sich um sehr alte Funde handelte. Zwischen Lancedelli und dem Experten erwuchs eine fruchtbringende Zusammenarbeit. Rolando kehrte wieder in seine Berge zurück und suchte mit Eifer und Leidenschaft nicht mehr Metalle sondern seltene Steine, die von der Jahrtausende alten Geschichte erzählten, als die Dolomiten noch von warmem Wasser bedeckt waren, das Fische, Meerestiere und Pflanzen wachsen ließ, die sich im Laufe der Zeit in Fossilien verwandelten: Megalodone, Lamellibranchien, Schwämme, Kopffüßler, Abdrücke von Pflanzen und Korallen, Dicherokardien, Stachelhäuter, Bauchfüßler, usw.

     Die besten Exemplare der Fossilien sind mit anderen Funden aus der wissenschaftlich kostbaren Sammlung von Rolando im Paläontologischen Museum „Rinaldo Zardini“ in der „Ciasa de ra Régoles“ in Cortina ausgestellt. Es ist eines der renommiertesten in diesem Bereich der Forschung. Eine große Genugtuung entschädigte ihn für die mühevolle Suche: ein besonders großer Megalodon, einziges bekanntes Exemplar von 62 cm Länge und 60 kg Gewicht! Ein anderer Fund wurde von Professor Allassinaz der Universität Mailand „Dicherocardium Lancedelli“ benannt - als Anerkennung für Auffindung und Ausgrabung.

   Jahrelang setzte Rolando seine Nachforschungen fort, begleitet vom ersten Sohn Loris, der schon als Sechsjähriger seinem erfahrenen Vater mit Begeisterung folgte. Ihr Territorium war dasselbe, in welchem schon vor 30 Jahren Kriegsmaterial gesucht wurde. Sie liefen über altbekannte Pfade, und ihr geschultes Auge spähte in den Gesteinsschichten nach dem geheimnisvollen Zauber eines schimmernden Fossils, dessen Fundort und Erhaltung sie genau studierten.

     Während sich nun Rolando mehr auf die Fossiliensuche im Gebirge konzentriere, begann Loris mit der Suche nach Kriegsmaterial: neugierig gemacht von den Erzählungen und Funden seines Vaters. Eines Tages fand er einige gut erhaltene Lademagazine. Das war der Auslöser für den Jungen, um nach allem zu suchen, was die Soldaten des 1. Weltkrieges zurückgelassen hatten. So füllte sich nach jahrelangem Suchen ein ganzer Raum mit gefundenem Material. Jedes Stück davon erzählt uns Heutigen eine eindrucksvolle Geschichte und macht uns über das Leben seines Besitzers nachdenken …

      Im Laufe der Jahre baute Loris – inzwischen Sammler und Experte – die Kollektion der Familie weiter aus: 1000 von Postkarten, Fotografien, Briefe, Kriegstagebücher und andere Gegenstände aus dem Besitz ehemaliger österreichischer und italienischer Soldaten bereicherten neben Interview-Aufzeichnungen von Zeugen und Hinterbliebenen des 1. Weltkrieges die Sammlung. Mit der Zeit beteiligte sich auch der jüngere Bruder Graziano an den Nachforschungen, zusammen mit Rolando und seiner Frau Elena, die schon vor Jahren auf ihren Schultern schwere Lasten ins Tal geschleppt hatte. Sie war es, die in der Gegend „dei Zuoghe“ das Skelett eines italienischen Soldaten fand, das dann in der Militärgedenkstätte von Pocol seine würdige Beisetzung fand.

    Graziano Lancedelli, aufgewachsen zwischen gesammelten Erinnerungsstücken und Fossilien, verschrieb sich nach anfänglichen Suchaktionen im Gebirge der Sammelleidenschaft und dem Studium von Gegenständen aus dem 1. Weltkrieg. Die in vielen Jahren gesammelten – auch seltenen – Fundstücke weckten in Loris den Wunsch, sie an einem geeigneten Ort auszustellen, im Museum des 1. Weltkriegs in Cortina d’Ampezzo. Die Idee war bewunderungswürdig – groß war aber auch der Widerstand: Nicht alle Wunden der schmerzhaften Vergangenheit waren verheilt. Am Anfang waren besonders ältere Leute gegen das Projekt, für sie bedeutete ein Kriegsmuseum die Hervorhebung der italienischen Besetzung Cortinas, das vorher vier Jahrhunderte lang Gebiet des Habsburger Reiches war. Viele erinnerten sich mit verständlicher Bitterkeit an die Missbräuche und Übergriffe dieser Zeiten.

     Trotz aller Schwierigkeiten hielt Loris Lancedelli an seiner Idee fest, er unterbreitete seine Absicht den vielen politischen Persönlichkeiten, die in Cortina ihren Urlaub verbrachten, verspürte aber nur wenig Begeisterung und Interesse. Inzwischen wurden die gesammelten Stücke in 16 vorläufigen Ausstellungen gezeigt. Sie hatten von Anfang an großen Erfolg bei Publikum und Kritikern. Die erste Ausstellung im Jahr 1988 verzeichnete 53.000 Besucher! Das Ergebnis war ermutigend und weckte in der Talbevölkerung und im in- und ausländischen Publikum Interesse. Ein Erfolg, der endlich die lokalen Behörden und Fachexperten in Bewegung gesetzt hat.

     Darauf wurden für das Publikum auch die Freilichtmuseen der Cinque Torri und am Lagazuoi eröffnet, geschichtsträchtige Plätze, in denen ehemalige Schützengräben detailgetreu wiederhergestellt und restauriert wurden. Nach der Wiederherstellung der Frontlinien am Lagazuoi konnte endlich das Museum des Großen Krieges von „Intra i Sass“ auf dem Valparola-Pass eröffnet werden, in einer eindrucksvollen Landschaft mit historischen Schützengräben und Pfaden. Das Museum ist in einer imposanten restaurierten österreichisch-ungarischen Festung angesiedelt, „Tre Sassi“ genannt. Es beherbergt einzigartige Objekte, so auch neben einigen Uniformen von Curzio Malaparte (irredentistischer Schriftsteller und Freund von Gabriele d’Annunzio, er kämpfte am Col di Lana), ein schweres Artilleriegeschoss des bekannten 30,5 cm Mörsers (der größte im Kriegsgeschehen an der Front), die Verpflegungsrationen der Soldaten, die Uniformen, die Maschinengewehre der beiden Heere und viel anderes Sehenswertes. Diese Ausstattung des Museums soll noch durch weitere Programme und Themenbereiche ausgeweitet werden.

     Ein großes Dankeschön an die Familie Lancedelli, die mit ihrer Begeisterung dazu beigetragen hat, die Geschichte des Tales an die kommenden Generationen und an Touristen und Besucher des Ampezzaner Tales und seiner Umgebung weiterzugeben.

 

 

лимузин на свадьбу.

Cart

 x 

Cart empty

Rifugio Valparola

valparola

Vai al sito Rifugio Valparola

Neueste Nachrichten

Contatore Visite

1608990
Oggi
Ieri
Questa settimana
Ultima settimana
Questo mese
Ultimo mese
Tutti i giorni
1538
1289
11406
1571238
70499
58363
1608990

Login Form